Diese Blumenerde vergiftet Ihre Raumluft und Sie ahnen nichts davon

Gesunde Erde, gesunde Luft: Warum die Wahl der richtigen Blumenerde über die Raumluft entscheidet

Die meisten Menschen verbringen den Großteil ihres Lebens in geschlossenen Räumen. Dabei umgeben sie sich oft mit Zimmerpflanzen – aus ästhetischen Gründen, aus dem Wunsch nach mehr Natur im Alltag oder in der Hoffnung auf bessere Luft. Doch während die sichtbaren Teile der Pflanzen – Blätter, Stängel, Blüten – im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, bleibt ein wesentlicher Bestandteil meist unbeachtet: die Erde selbst.

Jede Handvoll Blumenerde enthält ein komplexes Ökosystem aus Mineralien, organischen Resten und Mikroorganismen. In diesem Mikrokosmos entsteht entweder das Fundament für vitales Pflanzenwachstum oder eine potenzielle Quelle für unerwünschte Prozesse, die das häusliche Umfeld beeinflussen können. Die Wahl des Substrats ist dabei keine Nebensächlichkeit, sondern ein Faktor, der sich auf das gesamte Raumklima auswirkt – still, kontinuierlich und oft unterschätzt.

Das Problem beginnt häufig bereits beim Kauf. Handelsübliche Mischungen wirken auf den ersten Blick harmlos: torfhaltig, nährstoffoptimiert und als „gebrauchsfertig“ deklariert. Doch die Zusammensetzung solcher Produkte ist oft komplex und nicht immer transparent. Viele enthalten synthetische Zusätze und Holzfasern aus industrieller Verarbeitung, deren Herkunft und Behandlung unklar bleiben. Bei längerem Kontakt mit Wärme und Feuchtigkeit – den typischen Bedingungen in Wohnräumen – können diese Materialien Prozesse auslösen, die weit über den Topfrand hinaus wirken.

Während Licht, Feuchtigkeit und Nährstoffe als klassische Wachstumsfaktoren für Zimmerpflanzen bekannt sind, bleibt die Qualität der Erde als Einflussgröße für das häusliche Wohlbefinden oft ein blinder Fleck. Dabei interagiert das Substrat permanent mit seiner Umgebung: Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, es beherbergt mikrobiologische Aktivität und es kann – je nach Zusammensetzung – Stoffe freisetzen, die sich in der Raumluft anreichern.

In schlecht belüfteten Bereichen, wie sie in modernen, gut isolierten Wohnungen häufig vorkommen, verstärken sich solche Effekte. Die hohe organische Last vieler Standarderden begünstigt biologische Prozesse, die unter bestimmten Bedingungen problematisch werden können. Besonders in Kombination mit Staunässe – einem häufigen Problem bei Zimmerpflanzen ohne ausreichende Drainage – entsteht ein Milieu, das fernab vom Ideal liegt.

Was in einem Blumentopf geschieht, mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Doch in geschlossenen Räumen, in denen Menschen oft acht, zehn oder mehr Stunden täglich verbringen, summieren sich auch kleine Effekte. Die Erde wird so zu einem aktiven Bestandteil des Raumklimas – ein Aspekt, der in der Diskussion um gesundes Wohnen bislang kaum Beachtung findet.

Wenn organisches Material zum Problemfaktor wird

Blumenerde ist ein lebendiges Substrat. Anders als mineralische Baustoffe oder textile Materialien unterliegt sie permanenten biologischen Veränderungen. Mikroorganismen bauen organische Bestandteile ab, Pilze und Bakterien finden Nährstoffe, und unter geeigneten Bedingungen vermehren sie sich rasch. Diese natürlichen Prozesse sind grundsätzlich Teil eines funktionierenden Bodenlebens – doch in der künstlichen Umgebung eines Blumentopfs können sie aus dem Gleichgewicht geraten.

Eine wissenschaftlich belegte Quelle vieler Luftverunreinigungen in Wohnungen sind sogenannte Bioaerosole – mikroskopisch kleine Partikel biologischen Ursprungs, die beim Gießen, Umtopfen oder Bewegen von Erde freigesetzt werden können. Obwohl die verfügbare Forschung zur spezifischen Rolle von Pflanzenerde als Quelle solcher Partikel begrenzt ist, ist bekannt, dass Schimmelsporen allgemein bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen und Atemwegsreizungen auslösen können.

Besonders riskant wird es, wenn Erde längere Zeit nass bleibt – was in Pflanzgefäßen ohne Drainageschicht regelmäßig passiert. Dann vermehren sich Pilze und Bakterien in der oberen Schicht, der typische „modrige“ Geruch entsteht. Dieser Geruch ist oft ein Hinweis auf mikrobiologische Aktivität, die über das erwünschte Maß hinausgeht. In schlecht gelüfteten Wohnräumen kann schon eine leichte dauerhafte Exposition zu subjektivem Unwohlsein führen.

Ein weiterer Aspekt sind chemische Zusätze, die von einigen Herstellern verwendet werden, um Feuchtigkeit zu binden oder Lagerstabilität zu erhöhen. Synthetische Netzmittel, Harze oder bestimmte Düngemittel können über Wochen flüchtige organische Verbindungen freisetzen – die gleiche Stoffgruppe, die man aus frischer Wandfarbe oder minderwertigen Möbeln kennt. Wer Zimmerpflanzen in größerer Zahl hält, bringt somit möglicherweise eine dauerhafte Quelle solcher Emissionen in die Wohnung.

Die Vorstellung, dass Pflanzen die Raumluft grundsätzlich verbessern, ist weit verbreitet. Tatsächlich zeigte eine berühmte NASA-Studie über die Luftreinigung durch Pflanzen aus den 1980er Jahren, dass Pflanzen in geschlossenen Systemen Schadstoffe abbauen können. Allerdings fanden diese Experimente in hermetisch verschlossenen Ein-Kubikmeter-Plexiglaskammern statt – Bedingungen, die mit einem normalen Wohnraum nicht vergleichbar sind. Eine Überprüfung durch Forscher der Drexel University kam zu dem Ergebnis, dass die messbare Wirkung von Zimmerpflanzen auf die Luftqualität in realen Haushalten verschwindend gering ist. Die TU Berlin stellte fest, dass man in einem durchschnittlichen Wohnzimmer zwischen 100 und 1.000 Pflanzen bräuchte, um einen Effekt zu erreichen, der mit zehn Minuten Stoßlüften vergleichbar wäre.

Diese Erkenntnisse bedeuten nicht, dass Pflanzen sinnlos sind – sie produzieren Sauerstoff, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und haben positive psychologische Effekte. Doch sie machen deutlich, dass die Qualität des Substrats umso wichtiger wird: Wenn die Reinigungswirkung der Pflanzen begrenzt ist, sollte zumindest die Erde selbst keine zusätzliche Belastungsquelle darstellen.

Warum torffreie Bio-Erden als Alternative gelten

Die Formulierung „Bio-Erde“ ist mehr als ein Werbeetikett. Sie beschreibt Substrate, die nach kontrollierten Kriterien zusammengesetzt werden und bestimmte Inhaltsstoffe ausschließen. Entscheidend ist dabei die Verwendung torffreier Komponenten, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen – meist Kompost, Rindenhumus, Kokosfasern oder Pflanzenkohle.

Der Verzicht auf Torf hat zunächst ökologische Gründe. Torfabbau zerstört Moore, die als wichtige Kohlenstoffsenken fungieren und deren Zerstörung erheblich zum CO₂-Ausstoß beiträgt. Jeder Sack herkömmlicher torfhaltiger Blumenerde trägt indirekt zu diesem Problem bei. Torffreie Alternativen basieren dagegen auf Reststoffen, die ohnehin im Kreislauf anfallen: Holzfasern aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Kompost oder Kokosreste aus der Lebensmittelproduktion. Wer solche Produkte nutzt, verringert die ökologische Last seiner Pflanzenhaltung erheblich.

Doch auch aus Sicht der Raumluftqualität bieten torffreie Substrate Vorteile. Sie enthalten in der Regel keine synthetischen Netzmittel und chemischen Langzeitdünger, die häufig in Standarderden zu finden sind. Ihr mikrobiologisches Spektrum ist oft stabiler, weil hochwertige Produkte thermisch behandelt werden und dadurch weitgehend frei von Schimmelsporen ausgeliefert werden.

Torffreie Erde bindet zudem Feuchtigkeit anders als torfhaltige Mischungen – oft homogener und mit besserer Luftdurchlässigkeit. Gerade in Innenräumen, wo überschüssiges Wasser kaum verdunsten kann, ist das ein entscheidender Punkt. Substrate, die Wasser gleichmäßig verteilen und nicht zu Staunässe neigen, reduzieren das Risiko, dass sich Pilze in der feuchten Deckschicht ausbreiten.

Beim Öffnen eines frischen Sacks hochwertiger Bio-Erde ist der Unterschied unmittelbar erkennbar: ein erdiger, klarer Geruch, keine chemische Note, keine Staubwolke. Dieser „saubere“ Eindruck ist nicht nur angenehm, sondern ein Indikator für eine Zusammensetzung, die auf überflüssige Zusätze verzichtet.

Die praktischen Vorteile lassen sich zusammenfassen: Sie sind frei von fossilen Rückständen, verzichten auf synthetische Zusätze, bringen ein stabileres mikrobiologisches Profil mit und unterstützen durch ihre physikalischen Eigenschaften eine gesündere Feuchtigkeitsregulation im Topf. All das macht sie zu einer sinnvollen Wahl für alle, die ihre Wohnräume bewusst gestalten möchten.

Der Einfluss von Feuchtigkeit und Drainage auf die Stabilität des Substrats

Selbst die beste Erde kann zum Problem werden, wenn der physikalische Aufbau im Topf nicht stimmt. Mikroklima entsteht lokal: Über der Erde wärmere Raumluft, darunter Feuchtigkeit und kaum Zirkulation. Diese Bedingungen können zur Kondensation führen und schaffen einen Raum, in dem sich Pilze leicht ansiedeln.

Die einfachste und effizienteste Gegenmaßnahme ist eine funktionierende Drainageschicht im Gefäß. Eine Lage Blähton, grober Kies oder keramischer Scherben am Topfboden erlaubt das Abfließen überschüssigen Wassers. Zusätzlich entkoppelt sie die Erde vom unteren Staunässebereich, was die mikrobiologische Aktivität stabilisiert und das Wurzelklima verbessert.

Eine zweite, oft übersehene Maßnahme ist die Behandlung der Oberfläche: Eine dünne Schicht aus trockenem Blähton oder Aquariumkies über der Erde kann das Pilzwachstum hemmen und reduziert auch das Austreten von Staubpartikeln beim Gießen. Gerade in Haushalten mit Kindern oder Haustieren ist das ein einfaches Mittel, um potenzielle Belastungen zu senken.

Die wichtigsten Funktionsvorteile solcher Schichten lassen sich zusammenfassen:

  • Verhinderung von Staunässe durch schnelle Wasserableitung
  • Barriereschicht gegen sichtbaren Bewuchs an der Oberfläche
  • Verbesserte Luftzirkulation im Wurzelbereich
  • Saubere Topfoberfläche ohne sichtbaren Grünbelag
  • Reduzierte Feinstaubemission bei trockener Erde

Diese physikalischen Mechanismen sind elementar, werden im privaten Bereich aber häufig ignoriert oder durch dekorative Mulchschichten ersetzt, die keine Drainagefunktion erfüllen. Staunässe ist einer der häufigsten Fehler in der Zimmerpflanzenpflege – und zugleich einer der vermeidbarsten.

Das Zusammenspiel von Erde und Raumluft im geschlossenen System Wohnung

Innenräume sind geschlossene ökologische Systeme. Was in einem Topf passiert, bleibt nicht isoliert im Topf. Pflanzen produzieren durch Fotosynthese Sauerstoff und erhöhen die Luftfeuchtigkeit in Räumen – beides messbare Effekte, die das Raumklima beeinflussen. Doch auch die Erde selbst interagiert permanent mit der Umgebung: Sie nimmt Feuchtigkeit auf, gibt sie ab und beherbergt mikrobiologische Aktivität.

In schlecht belüfteten Räumen kann die Kombination aus feuchter Erde und organischer Belastung zu einer stetigen Veränderung der Luftzusammensetzung führen. Auch wenn die Konzentrationen einzelner Stoffe oft unter gesetzlichen Grenzwerten bleiben, können sie subjektiv als Müdigkeit, Reizungen oder Unwohlsein spürbar werden. Gerade Personen, die viel Zeit im Homeoffice verbringen, sollten die Erde ihrer Zimmerpflanzen nicht als unbeachtetes Zubehör betrachten, sondern als aktiven Teil des Raumklimasystems.

Hier zeigt sich die Bedeutung des Gesamtsystems: Eine Pflanze allein macht noch kein gesundes Raumklima. Aber die Summe aus Substratqualität, Drainage, Gießverhalten und Lüftungsroutine entscheidet darüber, ob die Pflanzenhaltung zum Gewinn oder zur unbeabsichtigten Belastung wird.

Die Forschung zur spezifischen Rolle von Erdsubstraten als Feuchtigkeitspuffer in Innenräumen ist begrenzt. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass organische Materialien mit hohem Ligningehalt Feuchtigkeit speichern und schrittweise wieder abgeben können – ähnlich wie Holz –, doch peer-reviewte Studien, die diesen Effekt für Pflanzenerde quantifizieren, liegen nicht vor. Dennoch bleibt die Beobachtung, dass hochwertige, strukturstabile Substrate tendenziell zu einem ausgeglicheneren Feuchtigkeitshaushalt im Topf beitragen, eine praktische Erfahrung vieler Pflanzenhalter.

Praktische Vorgehensweise für eine stabilere Pflanzenhaltung

Wer verhindern möchte, dass die Erde zu einer Quelle von Gerüchen, sichtbarem Bewuchs oder subjektivem Unwohlsein wird, kann mit klaren Routinen große Wirkung erzielen. Beim Kauf lohnt es sich, auf Zertifizierungen zu achten. Etiketten wie „torffrei„, „Bio“ oder „Blauer Engel“ geben erste Orientierung. Noch wichtiger sind transparente Zusammensetzungsangaben und Hinweise zur Behandlung des Materials. Substrate, die thermisch behandelt wurden, bringen in der Regel ein stabileres mikrobiologisches Profil mit.

Vor dem ersten Gebrauch sollte trockene Erde leicht angefeuchtet werden. Trockene Erde staubt beim Ausschütten, und dieser Staub enthält immer feine Partikel. Eine sanfte Befeuchtung bindet sie unmittelbar und erleichtert das Handling. Die Integration einer Drainageschicht – mindestens ein bis zwei Zentimeter Blähton oder Kies – ist eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme. Sie verhindert, dass Wasser am Topfboden steht und von dort nach oben in die Wurzelzone zieht.

Eine flache Abdeckung der Oberfläche mit Kies oder Blähton schützt die Erde vor direktem Kontakt mit der Raumluft, reduziert Verdunstung und hält die oberste Schicht trockener. Organische Mulchmaterialien sind dafür weniger geeignet, da sie selbst Feuchtigkeit speichern und verrotten können. Gezieltes Lüften nach dem Gießen – einige Minuten Querlüften – hilft, überschüssige Feuchtigkeit aus dem Raum abzuführen und die Luftzirkulation zu fördern. Diese kleine Gewohnheit trägt erheblich dazu bei, dass sich keine dauerhafte Feuchtigkeit im Raum ansammelt.

Der Aufwand ist minimal, doch das Ergebnis zeigt sich langfristig in stabileren Pflanzen und einem angenehmeren Raumklima. Wer bereits Schimmelgeruch oder weißen Belag auf der Erde bemerkt, sollte die obersten zwei Zentimeter austauschen und das Gießverhalten überprüfen. Dauernde Feuchtigkeit treibt mikrobielle Aktivität exponentiell an. Häufig ist weniger Wasser die einfachste Lösung.

Mikrobiologische Prozesse in Pflanzenerde – ein Blick unter die Oberfläche

Physiologisch betrachtet basiert die Entstehung von Schimmel und Fäulnis auf dem Zusammenspiel aus Substratstruktur, Feuchtegrad, Temperatur und organischer Dichte. In torfhaltiger Erde mit hohem Cellulosegehalt sind ideale Ernährungsbedingungen für eine Vielzahl von Mikroorganismen gegeben. Wenn die Sauerstoffdiffusion durch Staunässe sinkt, entstehen anaerobe Zonen – der Übergang zu modrigen Prozessen beginnt.

Viele Pilze nutzen diese Zonen als Nährbasis. Sie assimilieren organischen Kohlenstoff und produzieren dabei sekundäre Stoffwechselprodukte, von denen einige flüchtig sind. Diese sogenannten MVOCs – mikrobielle flüchtige organische Verbindungen – sind für den typischen muffigen Geruch verantwortlich, den man aus feuchten Kellern kennt. Obwohl spezifische peer-reviewte Studien zur Emission von MVOCs aus Blumenerde in Wohnräumen in der verfügbaren Forschung fehlen, ist der Zusammenhang zwischen mikrobieller Aktivität und flüchtigen organischen Verbindungen wissenschaftlich gut dokumentiert.

Aus dieser Perspektive wird deutlich, warum thermisch behandelte, torffreie Bio-Erden einen Unterschied machen können: Sie bringen ein stabiles mikrobiologisches Gleichgewicht mit, das weniger anfällig für pathogene Dominanz ist. Die vorhandenen Mikroorganismen sind inaktiv oder in nützlicher Balance – ein natürliches Immunsystem im Topf, das unerwünschte Prozesse unterdrückt.

Ökologischer Mehrwert nachhaltiger Erden jenseits der eigenen Gesundheit

Die praktischen Effekte im eigenen Haushalt sind greifbar, doch der Umstieg auf torffreie Bio-Erde hat auch eine größere ökologische Bedeutung. Torfabbau zerstört Moore – Lebensräume, die als wichtige Kohlenstoffsenken fungieren und deren Zerstörung erheblich zum globalen CO₂-Ausstoß beiträgt. Jeder Sack herkömmlicher Blumenerde trägt also indirekt zu diesem Problem bei.

Torffreie Alternativen basieren dagegen auf Reststoffen, die ohnehin im Kreislauf anfallen: Holzfasern aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Kompost aus organischen Abfällen oder Kokosreste aus der Lebensmittelproduktion. Wer solche Produkte nutzt, verringert die ökologische Last seiner Pflanzenhaltung erheblich – und leistet einen kleinen, aber konkreten Beitrag zum Moorschutz.

Hinzu kommt die höhere Lebensdauer der Pflanzen. Gesunde Wurzeln in atmungsaktivem Substrat machen die Pflege stabiler, der Düngerverbrauch sinkt – ein Nebeneffekt, der auch das Risiko mikrobieller Fehlentwicklungen reduziert. Weniger Dünger bedeutet weniger Salzanreicherung, weniger osmotischen Stress für die Wurzeln und insgesamt ein ausgeglicheneres System.

Die Wahl des Substrats ist somit nicht nur eine Frage des persönlichen Komforts, sondern auch eine Entscheidung mit ökologischer Reichweite. In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit zunehmend auch im privaten Bereich konkret wird, ist die Umstellung auf torffreie Erde ein sinnvoller Schritt.

Der subtile Zusammenhang zwischen Materialqualität und psychischem Wohlbefinden

Was auf den ersten Blick rein technisch wirkt, berührt letztlich auch das emotionale Erlebnis des Wohnens. Studien zur sogenannten „Indoor Biophilia“ belegen, dass Pflanzen in Räumen positive physiologische Effekte auslösen können – allerdings nur dann, wenn sie nicht gleichzeitig als Quelle von Geruch oder Unbehagen wahrgenommen werden. Eine Erde, die sauber riecht und stabil bleibt, verstärkt also die psychologische Funktion der Pflanzen als Stresspuffer.

Der Mensch reagiert instinktiv auf Gerüche und sensorische Signale aus seiner Umgebung. Der feine, erdige Geruch gesunder Substrate kann Assoziationen mit Natur, Sicherheit und Ruhe hervorrufen. Schimmel- oder Fäulnisnoten dagegen signalisieren unterbewusst Gefahr und können Anspannung oder Unbehagen auslösen. Darum ist die Qualität der Erde nicht nur ein technischer, sondern auch ein emotionaler Faktor für das häusliche Wohlbefinden.

Diese Zusammenhänge mögen subtil erscheinen, doch sie summieren sich im Alltag. Ein Raum, in dem alle Elemente – Licht, Luft, Materialien, Pflanzen – harmonisch zusammenspielen, fühlt sich anders an als einer, in dem einzelne Faktoren stören. Die Erde in den Töpfen ist einer dieser Faktoren, der oft übersehen wird, aber dennoch Wirkung entfaltet.

Die Rolle der Wartung: kleine Eingriffe mit großer Wirkung

Auch die beste Substratauswahl ersetzt keine regelmäßige Pflege. Nach etwa einem Jahr verändern sich Struktur und Mikrobiologie jeder Erde, selbst bei bester Zusammensetzung. Verdichtung, Salzanreicherung durch Düngerreste und biologische Alterung verlangen einen Teilwechsel oder zumindest eine Auflockerung der oberen Schicht.

Empfohlen ist, die erste obere Schicht alle paar Monate auszutauschen und die Pflanzen bei Bedarf neu zu topfen. Wird gleichzeitig die Drainageschicht überprüft, lassen sich Probleme wie Staunässe oder beginnender Befall frühzeitig erkennen. Ein sparsamer Umgang mit Gießwasser – immer lieber leicht trocken halten als dauerhaft feucht – erweitert die Lebensdauer der Erde deutlich und reduziert das Risiko unerwünschter mikrobieller Aktivität.

Wer diesen Rhythmus pflegt, erlebt den Unterschied unmittelbar: Die Erde bleibt locker, riecht angenehm, die Pflanzen zeigen kräftige Farben, und die Atmosphäre im Raum wirkt frischer. Kleine Gewohnheiten, große Wirkung – dieses Prinzip gilt auch für die Pflanzenpflege.

Warum der bewusste Umgang mit Erde ein Teil moderner Wohnhygiene ist

Wohnhygiene bedeutet längst mehr als Sauberkeit von Oberflächen. Sie umfasst auch die Kontrolle biologischer und chemischer Faktoren, die unsere Innenräume formen. Wie Textilien, Reinigungsmittel oder Wandfarben gehört die Erde in Blumentöpfen zu diesen unsichtbaren Bestandteilen des häuslichen Mikrobioms.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Materialien und etwas Wissen lässt sich dieses System gezielt gestalten. Hochwertige torffreie Bio-Erde, kombiniert mit Drainage, kontrollierter Feuchtigkeit und gelegentlicher Schichtpflege, schafft eine Umgebung, in der Pflanzen gedeihen und das Raumklima stabil bleibt.

Das Bewusstsein für diese Zusammenhänge markiert eine neue Etappe in der Beziehung zwischen Wohnen und Natur. Die Forschung zeigt klar: Zimmerpflanzen allein sind keine Wundermittel für schlechte Raumluft. Wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen, wären Hunderte von Pflanzen nötig, um eine Wirkung zu erzielen, die mit einfachem Stoßlüften vergleichbar wäre. Doch das bedeutet nicht, dass Pflanzen sinnlos sind. Sie produzieren Sauerstoff, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und tragen zum Wohlbefinden bei – vorausgesetzt, sie werden richtig gehalten.

Wenn das Substrat stimmt, wird aus dem Topf nicht nur ein Behälter für Wurzeln, sondern ein stabiler Bestandteil eines durchdachten Wohnkonzepts. Die Erde selbst sollte keine zusätzliche Belastungsquelle darstellen, sondern ein Material sein, das seinem Zweck dient: Pflanzen zu tragen, Feuchtigkeit zu regulieren und mikrobiologisch stabil zu bleiben.

Manchmal beginnt eine bewusstere Wohnumgebung einfach mit einer neuen Handvoll Erde – jener unscheinbaren Substanz, die, richtig gewählt, das Fundament für echte Lebensqualität bildet. Nicht durch überzogene Versprechungen, sondern durch solide Materialqualität, durchdachte Handhabung und die Einsicht, dass auch kleine Faktoren im Zusammenspiel eine große Wirkung entfalten können.

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